Q & A with Sheldon Siegel

Ich bin regelmäßig auf Lesereise, spreche auf Konferenzen und besuche Buchhandlungen – und habe dabei das Vergnügen, viele nette Menschen kennenzulernen. Hier habe ich eine Liste der am häufigsten gestellten Fragen zusammengestellt. Betrachten Sie es als virtuelle Buchreise. Wenn Sie einen Auftritt oder einen Telefon- bzw. Zoom-Besuch für Ihre Buchgruppe organisieren möchten, schreiben Sie uns bitte an sheldon@sheldonsiegel.com. Wenn Sie andere Fragen haben, schicken Sie mir einfach eine Nachricht – ich beantworte sie gern. Bitte beachten Sie, dass unsere hocheffiziente Versandabteilung (also ich) alle E-Mails persönlich beantwortet. Haben Sie also bitte etwas Geduld, wenn meine Antwort ein oder zwei Tage dauert.

Was hat Sie motiviert, Schriftsteller zu werden?

Ich wollte schon seit der Highschool Romane schreiben, obwohl ich ehrlich gesagt nicht erklären kann, warum. Ich begann mit meinem ersten Buch, Special Circumstances, mit dem bescheidenen Ziel herauszufinden, ob ich überhaupt Talent fürs Schreiben von Belletristik hatte. Als ich einmal angefangen hatte, beschloss ich, den ersten Entwurf bis zu meinem 40. Geburtstag im Juli 1998 fertigzustellen. Ich war drei Tage vor meinem Ziel fertig. Man sollte nie die motivierende Wirkung einer guten Midlife-Crisis unterschätzen.

Erzählen Sie uns von Ihrer Ausbildung als Schriftsteller.

Ich habe kaum eine formale Ausbildung im Schreiben. Mein Bachelor-Abschluss (von der University of Illinois in Champaign) war in Rechnungswesen. Ich habe meinen Abschluss an der UC-Berkeley's Boalt Law School (heute Berkeley Law) gemacht und arbeite seit 1983 als Anwalt für Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht. Ich arbeite für eine große Kanzlei namens Sheppard, Mullin, Richter & Hampton LLP. Special Circumstances war mein erster Versuch im Bereich Belletristik seit der Highschool. Ich nahm an einem zehntägigen Schreibkurs teil, der von zwei ausgezeichneten Autoren, Katherine Forrest und Michael Nava, geleitet wurde. Dort lernte ich viel über Struktur und Plot. Ohne diesen Kurs hätte ich Special Circumstances nie fertiggestellt. Ich treffe mich gelegentlich immer noch mit einigen der anderen Kursteilnehmer. Wir lesen und kritisieren gegenseitig unsere Texte. Priscilla Royal hat eine ausgezeichnete Serie historischer Krimis veröffentlicht, und Anne Maczulak hat mehrere Sachbücher veröffentlicht. Für eine so kleine Gruppe ist das eine ziemlich beeindruckende Erfolgsbilanz. Ich versuche, so viel wie möglich zu lesen und zu schreiben. Special Circumstances was my first attempt at writing fiction since I was in high school. I took a 10-week creative writing class taught by two excellent authors, Katherine Forrest and Michael Nava. It helped me figure out structure and plotting. I wouldn’t have finished Special Circumstances if I hadn’t taken the class. I still meet with some of the other students from the class from time to time. We still read and critique each other’s work. Priscilla Royal has published an excellent series of medieval mysteries, and Anne Maczulak has published several nonfiction books. It’s a pretty amazing track record for a small group. I try to read and write as much as I can.

Viele Menschen schreiben Bücher, aber werden nie veröffentlicht. Was ist Ihr Geheimnis?

Es klingt vielleicht banal, aber das Wichtigste ist, das Buch tatsächlich zu schreiben. Es ist fast unmöglich, einen Roman zu veröffentlichen, wenn man kein fertiges Manuskript hat. Agenten und Verlage sind sehr beschäftigt. Wenn ihnen die ersten Kapitel gefallen, wollen sie sofort den Rest lesen, um sicherzustellen, dass Sie das Niveau durchhalten können. Es HILFT ENORM, wenn man den Rest direkt schicken kann. Sobald die Geschichte geschrieben ist (und sie gut ist, versteht sich), sollte man versuchen, einen Agenten zu finden. Persönliche Kontakte, Buchhändler und andere Autoren können hilfreich sein, sind aber nicht zwingend erforderlich. Schauen Sie sich z. B. den Writers Digest Guide to Literary Agents an. Ihr Ziel sollte es sein, Ihr Buch an die Spitze des Stapels zu bringen. Es hilft, wenn die ersten Seiten SEHR gut sind, denn viele Agenten und Lektoren lesen oft nur wenige Seiten. Glück, Zufall und gutes Timing spielen ebenfalls eine große Rolle (wenn jemand das Gegenteil behauptet, lügt er). Wenn Sie einen Agenten finden, der für Ihr Buch begeistert ist, sind Sie zu 90 % auf dem Weg zur Veröffentlichung. Ich hatte großes Glück: Meine Agentin, Margret McBride, fährt mit einem Anwalt aus unserem Büro in San Diego Fahrrad. Sie hat mein Manuskript als Gefälligkeit gelesen – und mochte, was sie sah. Wenige Wochen später hatte ich einen Vertrag für zwei Bücher. Heute gibt es zusätzlich viele Self-Publishing-Möglichkeiten, aber es ist schwierig, dabei ein Publikum zu finden.

Erzählen Sie uns von Ihrem Schreibprozess. Arbeiten Sie mit einem Plot?

Ich beginne mit einer Idee. Zum Beispiel war die Grundidee von Special Circumstances ein Mord in einer großen Anwaltskanzlei. Dann denke ich über den Protagonisten nach, insbesondere über die Stimme des Erzählers. Ich habe lange an Mike Daleys Erzählstimme gearbeitet. Da Mike auch in den folgenden Büchern wiederkehrt, kannte ich ihn bereits gut. The Terrorist Next Door dauerte länger, weil David Gold ein neuer Charakter war. Danach überlege ich mir, wie sich Mike, Rosie oder Gold im Laufe der Geschichte verändern. Charakterentwicklung ist entscheidend. Anschließend entwerfe ich grob den Plot – wer, warum und wie. Ich erstelle eine Liste aller Figuren mit kurzen Beschreibungen, die im Laufe des Schreibens erweitert wird.

Dann skizziere ich die Handlung leicht – etwa zehn große Wendepunkte – sowie Anfang und Ende. Ich schreibe meist fünf Kapitel voraus und arbeite mich daran entlang. Früher schrieb ich zuerst Anfang und Ende, später dann durchgehend. Es gibt keine festen Regeln. Ich halte nach jedem Kapitel eine detaillierte Zusammenfassung mit Zeit, Ort, Figuren und Handlung fest – das wird ein Dokument von ca. 25 Seiten. Meine Manuskripte haben rund 350 Seiten (etwa 80.000 Wörter), was ca. 300 Druckseiten entspricht.

Beim Schreiben versuche ich, zügig einen ersten Entwurf fertigzustellen. Danach lasse ich das Manuskript liegen, bevor ich es überarbeite – zuerst gründlich, dann für den Erzählfluss. Danach lesen es meine Frau und andere Autoren. Meistens durchläuft ein Buch sechs Überarbeitungsrunden. Ich schreibe und bearbeite ausschließlich am Computer und tippe sehr schnell – Anwälte sind daran gewöhnt, direkt am Bildschirm zu formulieren.

Übrigens tippe ich jedes Wort selbst und schreibe und redigiere alles am Computer. Ich bin sehr frustriert, wenn ich meinen Computer nicht dabei habe. Wir Anwälte schreiben oft an der Tastatur. Daher klingt es etwas seltsam, aber meine Hände und mein Gehirn arbeiten jetzt ungefähr gleich schnell. Ich tippe sehr schnell.

Woher bekommen Sie Ihre Ideen für Geschichten?

Die konventionelle Weisheit lautet: Schreib über das, was du kennst. Ich habe über 30 Jahre in großen Kanzleien gearbeitet – daher ging es in Special Circumstances um eine solche Kanzlei. Ich interessiere mich sehr für Lokalpolitik – in San Francisco ist das ein Zuschauersport. Incriminating Evidence handelt von einem Politiker in Schwierigkeiten. Die Geschichte spielt größtenteils im Mission District. Meine Frau war früher in der Filmbranche tätig – daher spielt Criminal Intent dort. Final Verdict spielt auf der Sixth Street. The Confession handelt von einem Priester im Mission District. Judgment Day entstand, nachdem ich von einem Todesfall auf Death Row gelesen hatte. Perfect Alibi wurde von einem ermordeten Richter inspiriert. Felony Murder Rule basiert auf einem juristischen Konzept, das ich im Studium kennengelernt habe. Serve and Protect thematisiert Polizeigewalt. Hot Shot spielt in der Tech-Szene San Franciscos. The Terrorist Next Door entstand nach einem vereitelten Anschlag am Times Square. Später kam es zu einem ähnlichen Vorfall beim Boston-Marathon. Die meisten Ideen finde ich in Zeitungsartikeln oder Gesprächen auf der Arbeit.

Woher bekommen Sie Ihr Material?

Ich laufe durchs Büro und lasse mir Geschichten erzählen (nur ein Scherz). Ich lese jeden Tag die Lokalzeitungen und juristischen Fachblätter. Besonders die Lokalsektion des San Francisco Chronicle liefert oft Ideen. Für The Terrorist Next Door habe ich täglich die Chicago Tribune online gelesen. Ich sammle überall Material, wo ich bin. Ich habe immer ein kleines Notizbuch dabei und schreibe Dinge sofort auf.

Sie sind weder Strafverteidiger noch Mordermittler. Müssen Sie viel recherchieren?

Ja, und ich bekomme dabei viel Hilfe. Ich recherchiere viel über Strafverfahren. Außerdem habe ich Freunde, die Strafverteidiger, Staatsanwälte, Richter oder Polizisten sind. Sie sind sehr großzügig mit ihrer Zeit – ohne sie könnte ich diese Geschichten nicht schreiben. Ich habe sogar Briefe von Polizisten, Staatsanwälten und Richtern bekommen, die sich positiv über meine Arbeit äußern. Das ist für mich eine große Bestätigung – und ein Zeichen dafür, dass meine Freunde aus dem Justizsystem wirklich wissen, wovon sie reden. Für The Terrorist Next Door half mir ein großartiger Mann namens Rod Sellers, ein pensionierter Lehrer aus South Chicago. Er leitet die Southeast Side Historical Society und hat zwei hervorragende Bücher über die Geschichte von South Chicago geschrieben. Ich bekam auch viel Hilfe von Mike Rowan, einem pensionierten Mordermittler, dessen Familie fast ein Jahrhundert in der Gegend lebte. Der Rowan Park (gegenüber der Washington High School) ist nach seinem Großvater benannt.

Welchen Rat haben Sie für angehende Schriftsteller?

Lesen Sie so viel wie möglich und schreiben Sie so viel wie möglich. Versuchen Sie, jeden Tag ein bisschen zu schreiben – möglichst zur selben Zeit. Wenn es Ihr Zeitplan erlaubt, schreiben Sie, wenn Sie wach und gut gelaunt sind. Ich habe Special Circumstances auf dem Laptop geschrieben – auf dem Larkspur-Fährependel und spät abends. Incriminating Evidence schrieb ich während eines Sabbaticals – das war wesentlich einfacher. Inzwischen arbeite ich nicht mehr Vollzeit als Anwalt, also finde ich mehr Zeit zum Schreiben (auch wenn das Leben nicht gerade ruhiger ist). Es ist schwer, eine Geschichte kohärent zu halten, wenn man nur unregelmäßig schreibt. Akzeptieren Sie, dass es gute und schlechte Tage gibt – das gehört dazu. Auch wenn Sie müde sind: Schreiben Sie Ihre Seiten. Fünf neue Seiten sind ein guter Tag. Zehn Seiten – großartig. Seien Sie nicht zu hart zu sich selbst. Erste Entwürfe sind immer schlecht (von schlecht bis völlig unlesbar) – aber sie sind nützlicher als jede Outline. Sie können einen Entwurf immer überarbeiten – aber nur, wenn Sie ihn auch schreiben. Wenn gar nichts geht: Lesen Sie Ihre bisherigen Seiten, um die Geschichte im Kopf zu behalten. Mit der Zeit werden Sie besser. Meine Lehrerin Katherine Forrest sagte einmal: Schreiben ist wie Klavierspielen. Man muss täglich Tonleitern üben.

Schreiben Sie in einer Stimme, die Sie gerne hören und selbst schreiben können. Dann klingt es authentischer. Wenn Sie witzig sind – schreiben Sie witzig. Wenn nicht – lassen Sie es. Man sagt, Mike Daley klingt wie ich. Eigentlich klingt er wie ich. Schreiben Sie das Buch, das Sie schreiben wollen – nicht das, von dem Sie denken, es sei kommerziell erfolgreich (okay, ein bisschen dürfen Sie daran denken). Ihre Geschichte wird besser, wenn sie authentisch bleibt. Fühlen Sie sich nicht verpflichtet, wilde Verfolgungsjagden, Sex oder Gewalt einzubauen (außer es passt zur Geschichte – die Filmleute lieben das). Und bitte: Versuchen Sie nicht, The Da Vinci Code, The Girl with the Dragon Tattoo, Fifty Shades of Grey, Gone Girl oder The Girl on the Train nachzuschreiben. Das wurde schon zur Genüge getan. Ich habe gescherzt, dass Mike und Rosie nach Schweden ziehen und Kaffee trinken, und ich schreibe The Lawyer with the Dragon Tattoo. Schreiben Sie Ihre Geschichte – seien Sie stolz darauf. Wenn sie gut ist, findet sie ihr Publikum. Wenn kein Verlag sie nimmt, können Sie sie immer selbst veröffentlichen.

In Ihren Büchern tauchen recht zwielichtige Anwälte auf. Basieren diese auf echten Personen, die Sie kennen?

Viele der Anwälte in meinen Büchern haben bestimmte Eigenschaften von Menschen, die ich im Laufe der Jahre getroffen habe. Aber keine Figur basiert auf einer bestimmten Person. Die Charaktere bei Simpson & Gates sind Archetypen von Anwälten, wie ich sie in großen Kanzleien und Unternehmen erlebt habe. Ich habe Freunde in allen großen Kanzleien in San Francisco – und alle dachten, Special Circumstances handle von ihrer Kanzlei. Man hat mich gefragt, ob es gut für den Beruf sei, dass wir Rechtsromanautoren die Branche kritisieren. Ich erinnere diese Leute daran, dass Mike und Rosie die ehrlichsten und vertrauenswürdigsten Menschen sind, die ich mir vorstellen kann. Jeder hat ein oder zwei Namen, die er anrufen würde, wenn es ernst wird – Mike und Rosie wären ganz oben auf meiner Liste. Und Detective David Gold auch. Ich sehe sie als Helden – und so schreibe ich sie auch.

Erzählen Sie uns, wie Mike Daley entstanden ist. Ein interessanter Charakter – Ex-Priester, Ex-Öffentlicher Verteidiger, Ex-Ehemann?

Wie viele gute Dinge entstand Mike durch Zufall. Ursprünglich war Joel der Erzähler der ersten hundert Seiten von Special Circumstances. Doch ich merkte schnell: Es ist schwer, einen Angeklagten als Erzähler zu haben, weil er die ganze Zeit im Gefängnis sitzt – das hätte langweilig werden können. Also brauchte ich eine neue Erzählerfigur. Mike war in den ersten hundert Seiten schon da, aber in einer Nebenrolle. Nach ein paar Fehlstarts schrieb ich die ersten hundert Seiten neu – mit Mike als Erzähler. Ich änderte auch die Erzählform: von erster Person Vergangenheit zu erster Person Präsens. Es fühlte sich sofort richtig an. Mike entwickelte sich dann im Verlauf des ersten Entwurfs zu einem vielschichtigen Charakter. Ich dachte, er bräuchte etwas „Gepäck“. Die Idee, ihn zum Ex-Priester zu machen, stammt aus meinem Umfeld: Ich kannte zwei Ex-Priester – einer heiratete eine Kommilitonin, der andere arbeitete in meiner alten Kanzlei. Tolle Menschen, aber völlig anders als Mike. Es war ein interessanter Aufhänger mit viel Potenzial. Als Ex-Öffentlicher Verteidiger hat er eine glaubwürdige Vergangenheit als Strafverteidiger. In der Kanzlei zu Beginn von Special Circumstances ist er völlig fehl am Platz. Ich wollte auch private Konflikte – also machte ich ihn zum Geschiedenen. Alkoholiker war mir dann doch zu viel. Mike ist ein kluger, ehrlicher, fleißiger Kerl „von nebenan“, der das Richtige tun will. Ein guter Anwalt, aber schlechter Geschäftsmann. Charmant und witzig, aber unbeholfen mit Frauen. Er hat viel Ballast – aber nicht so viel, dass er nicht funktioniert. Über zehn Bücher hat er ein Eigenleben entwickelt. Manchmal überrascht er mich. Da ist noch genug Stoff für weitere Bände.

Mike hat eindeutig eine besondere Beziehung zu seiner Ex-Frau Rosie. Können Sie etwas über ihre Chemie erzählen?

Mike und Rosie sind Seelenverwandte, in mancher Hinsicht spiegeln sie einander. Beide sind klug, leidenschaftlich, mitfühlend, meinungsstark, witzig, stur, ehrlich und fürsorglich – aber grundsätzlich inkompatibel. Wenn sie gemeinsam auftreten, passiert etwas Magisches. Ich liebe es, ihre Dialoge zu schreiben – sie fließen ganz natürlich. Ich kann nicht erklären, warum. Freunde sagen, Mike klingt wie ich und Rosie wie meine Frau (obwohl Linda und ich uns besser verstehen als Mike und Rosie). Rosie hat übrigens meist recht – genau wie Linda. Vielleicht liegt es daran.

Rosie entstand übrigens ebenfalls durch Zufall. Da ich in der Ich-Form schreibe, ist der Erzähler immer präsent. Damit die Handlung vorankommt, braucht er jemanden zum Reden – also erfand ich Rosie. Ich wollte eine starke weibliche Figur und entschied, dass sie und Mike geschieden sein sollten, um Spannung zu erzeugen. Sie sind ein großartiges Team im Beruf, aber im Alltag klappt es nicht. Sie haben eine tiefe Bindung – eine Tochter und später einen Sohn. Ich habe bewusst mit Geschlechterrollen gespielt: Rosie hält Kanzlei und Familie zusammen, während Mike idealistische Fälle übernimmt. Sie ist Hauptverantwortliche für Grace und Tommy – und wird später öffentliche Verteidigerin. Ich hatte anfangs Bedenken, ob Leser die Beziehung akzeptieren würden – aber viele schrieben mir, dass sie Ähnliches mit ihren Ex-Partnern erlebt haben. Wenn Alltagsstress und Hypotheken wegfallen, klappt es manchmal besser.

Werden sie jemals wieder heiraten?

Wahrscheinlich nicht – auch wenn sie auf absehbare Zeit ein Paar bleiben. Ich habe immer gesagt, die Serie endet, wenn sie wieder heiraten. Ganz ausschließen würde ich es aber nicht. Menschen ändern sich im Laufe der Zeit.

Was steht als Nächstes für Mike und Rosie an?

Ich schreibe gerade an der nächsten Geschichte mit Mike und Rosie.

Wie geht es Mike und Rosie?

Allen geht es gut. Zu Beginn von Felony Murder Rule arbeiten sie wieder in der Kanzlei der San Francisco Public Defender’s Office. Am Ende von Hot Shot macht Grace ihren College-Abschluss, und Tommy ist im zweiten Jahr der High School. Sylvia geht’s gut. Pete auch. Und Big John sowieso. Dann kommt natürlich der Fall des Jahrhunderts – Sie wissen schon, wie das läuft.

Sie haben einprägsame Nebenfiguren für Mike und Rosie entwickelt. Welche schreiben Sie am liebsten?

Die Familienmitglieder machen am meisten Spaß. Pete ist toll, weil er wenig redet – jedes Wort zählt. Sylvia ist großartig – sie sagt immer, was sie denkt. Big John ist jedermanns Lieblingsbarkeeper. Manche Leser fahren auf der Irving Street herum und suchen Dunleavy’s (Tipp: Es gibt ihn nur in meinen Büchern). Und Nick the Dick macht großen Spaß – er ist einer der letzten echten San-Francisco-Charaktere, man weiß nie, wo er auftaucht.

Wird Nick the Dick zurückkehren?

Aber sicher. Ich habe ein paar Geschichten ohne Nick geschrieben und daraufhin viele Zuschriften bekommen – also wird er künftig in jeder Geschichte auftauchen. Er wird mindestens 110 Jahre alt.

Sprechen wir über The Terrorist Next Door. Warum wollten Sie ein Buch über Chicago schreiben?

Ich wollte nach den Mike-und-Rosie-Büchern eine Geschichte über meine Heimatstadt schreiben. Außerdem hatte ich meiner Mutter versprochen, endlich ein Buch zu schreiben, das in Chicago spielt. Sie war sehr zufrieden.

Übrigens – ist Mike Daley nach Bürgermeister Daley benannt?

Ja.

Erzählen Sie uns etwas über Detective David Gold.

Er verkörpert die Werte der South Side von Chicago: klug, hartnäckig, zäh, moralisch integer. Er nimmt keine Bestechungsgelder an. Er hat an der University of Illinois studiert, ein Jahr Jura an der University of Chicago, sich dann aber für den Polizeidienst entschieden. Sein Vater war Lehrer an der Bowen High School, seine Mutter Bibliothekarin in South Chicago. Seine Frau und ungeborene Tochter starben bei einem Autounfall – seitdem lebt er mit seinem verwitweten Vater. Ich hoffe, die Leser empfinden ihn als authentischen Chicagoer Charakter. Und ja – er ist White Sox-Fan.

Sind Sie David Gold?

Im echten Leben klinge ich allerdings wie Mike Daley.

Stammen Sie wirklich von der South Side von Chicago?

Ja. Ich wurde im Michael Reese Hospital geboren – das ist heute das leere Grundstück, auf dem fast das Olympische Dorf für 2016 gebaut worden wäre, bevor die Spiele nach Rio vergeben wurden. Ich sage gern, ich bin in dem Viertel aufgewachsen, in dem Präsident Obama als Community Organizer begann.

Heißt das, Sie sind ein White Sox-Fan?

Natürlich. Für mich war die Saison 2005 die beste Baseballsaison aller Zeiten. Mein Bruder – ein Cubs-Fan – hat bis heute nicht zugegeben, dass die World Series 2005 überhaupt stattgefunden hat. Und dafür respektiere ich ihn.

Did you really live around the corner from Michelle Obama?

Yes. For a very short time. We moved to Wilmette in 1970.

Did you really go to high school with Mayor Rahm Emanuel?

Yes. I graduated from New Trier West High School in 1976. Rahm graduated in 1977.

Will we be hearing more from David Gold and A.C. Battle?

Eventually.

Nach sieben Büchern bei herkömmlichen Verlagen haben Sie Ihre letzten vier Bücher selbst veröffentlicht. Warum?

Die Verlagsbranche hat sich in den letzten fünf Jahren dramatisch verändert. Wir hatten viele Gespräche mit traditionellen New Yorker Verlagen, aber die technologischen und vertrieblichen Veränderungen haben es für bestimmte Autoren sehr attraktiv gemacht, unabhängig zu veröffentlichen. Das ist nicht für jeden sinnvoll, aber wenn man eine treue Leserschaft und einen umfangreichen Backkatalog hat, kann es funktionieren. Es hat etwa fünf Jahre gedauert, bis ich die Rechte an all meinen älteren Büchern zurückerhalten habe. Ich habe sie alle neu bearbeitet, neue Cover erstellt, aktualisierte Hörbuchversionen in Auftrag gegeben (unser Sprecher ist der großartige Tim Campbell) und wir haben alle älteren Titel selbst neu veröffentlicht. Alle meine Bücher (auch die neueren) sind als E-Book, Hörbuch und großformatiges Taschenbuch erhältlich. Unsere Leserinnen und Leser sind sehr zufrieden. Es ist schön, die Kontrolle über Produktion, Covergestaltung und – am wichtigsten – den Erscheinungstermin meiner Bücher zu haben.

Wie läuft das mit dem Selbstveröffentlichen?

Großartig! Wir verkaufen mehr Bücher als zu der Zeit, als meine Titel über traditionelle Verlage erschienen und auf der New York Times-Bestsellerliste standen.

Ich denke darüber nach, selbst ein Buch zu veröffentlichen. Wie haben Sie das gemacht?

Wir haben die Bücher selbst konvertiert. Für die Taschenbuchausgaben haben wir den Print-on-Demand-Service von Amazon (CreateSpace, heute KDP Print) verwendet. Für die Hörbücher nutzen wir Amazons audible.com. Meine Frau Linda, die sich hervorragend mit Technik auskennt, übernimmt die gesamte Formatierung und technische Umsetzung. Es hilft enorm, jemanden an seiner Seite zu haben, der sich mit Technik auskennt.

Ist es schwierig, selbst zu veröffentlichen?

Nein, es ist ziemlich einfach. Wenn Sie klug genug sind, ein Buch zu schreiben, sind Sie auch klug genug, um herauszufinden, wie man es in die verschiedenen Formate bringt. Am wichtigsten ist jedoch Geduld.

Empfehlen Sie Self-Publishing?

Ich bekomme diese Frage ständig gestellt, und meine Antwort ist immer dieselbe: Wenn es sich um Ihr erstes Buch handelt, ist der schnellste Weg zum Publikum der über einen herkömmlichen Verlag. Wenn Sie einen Agenten finden, der Ihnen einen Sechs-Stellen-Deal bei einem der großen fünf Verlage verschaffen kann, sollten Sie das ernsthaft in Betracht ziehen. Der Nachteil: Wenn die Zusammenarbeit mit dem Verlag nicht gut läuft, ist es schwierig, die Rechte zurückzubekommen. Wenn Sie keinen Verlagsvertrag bekommen, können Sie es immer noch selbst machen. Die gute Nachricht ist: Es gibt keine Eintrittsbarrieren in der Verlagswelt. Die schlechte Nachricht ist: Es gibt keine Eintrittsbarrieren. Mit über einer Million selbstveröffentlichten Büchern pro Jahr ist es fast unmöglich, aus der Masse hervorzustechen. Ich hatte einen großen Vorteil: Ich hatte bereits ein treues Publikum aus meiner Zeit bei den Verlagen. Wenn man es selbst macht, braucht man Geduld, muss weiter schreiben und langfristig dranbleiben. Serien funktionieren im Self-Publishing besser als Einzelbände.

Wer gestaltet Ihre Cover?

Meine Frau Linda.

Wie wählen Sie Ihre Buchtitel aus?

Meine Bücher mit Originaltiteln sind: Special Circumstances, Judgment Day, Perfect Alibi, The Terrorist Next Door, Felony Murder Rule, Serve and Protect und Hot Shot. Der Arbeitstitel für Incriminating Evidence war Suspicious Circumstances. Mein Verlag wollte etwas anderes (also etwas ohne die Worte „special“ oder „circumstances“), also fing ich von vorne an. Statt allein zu grübeln, habe ich eine E-Mail an alle in meiner Kanzlei und an rund hundert Freunde und Verwandte geschickt. Ich bekam etwa tausend Vorschläge. Ich habe die Liste eingegrenzt und die besten Vorschläge meinem Lektor geschickt. Der Titel Incriminating Evidence kam von meiner Freundin Sheila Gordon, die in den Danksagungen des Buches erwähnt wird. Ich vermute, die meisten Autoren wählen ihre Titel etwas systematischer. Die Titel der anderen Bücher haben sich oft mehrfach geändert. Heute, da ich selbst veröffentliche, kann ich die Titel frei wählen.

Vergleichen Sie Ihre Geschichten.

Fragen Sie mich doch gleich, welches meiner Kinder ich lieber habe! Special Circumstances war eine Geschichte, die ich mindestens zehn Jahre lang schreiben wollte – und mein erstes Buch. Deshalb wird es für mich immer besonders bleiben. Es stellt Mike und Rosie vor und gibt den Leser:innen einen Blick hinter die Fassade einer großen Kanzlei. Incriminating Evidence gewährt Einblicke in das Leben eines prominenten Politikers aus Pacific Heights – und in San Franciscos Mission District sowie in Mike und Rosies Familienleben. Special Circumstances ist etwas humorvoller, Incriminating Evidence ein wenig düsterer. Criminal Intent behandelt persönliche Themen aus dem Leben von Mike und Rosie. In Final Verdict vertreten sie jemanden aus ihrer Vergangenheit. The Confession dreht sich um Mikes Entscheidung, das Priesteramt zu verlassen. Judgment Day handelt zwar von einem Fall mit Todesstrafe, erzählt aber im Kern von Mikes Beziehung zu seinem verstorbenen Vater. Perfect Alibi behandelt das Verhältnis von Mike und Rosie zu ihrer Tochter. Felony Murder Rule dreht sich um Mikes Auseinandersetzung mit dem Tod seines älteren Bruders, der in Vietnam gefallen ist. Serve and Protect thematisiert Rassenspannungen. Hot Shot spielt in der Techwelt San Franciscos. The Terrorist Next Door ist völlig anders – im Kern geht es aber auch um David Golds Weg zurück zu Selbstvertrauen und innerer Stärke. Es ist zudem eine sehr persönliche Geschichte, da sie in Chicago spielt. Insgesamt sind die frühen Bücher etwas humorvoller, die späteren stilistisch klarer.

Wie lange brauchen Sie, um Ihre Bücher zu schreiben?

Special Circumstances hat drei Jahre gedauert. Ich war damals Vollzeit berufstätig und schrieb meist auf dem Larkspur-Fährschiff und spätabends. Das war sehr anstrengend. Der erste Entwurf von Incriminating Evidence dauerte etwa sechs Monate, die Überarbeitung nochmal etwa sechs. Die späteren Bücher dauern meist rund acht Monate. The Terrorist Next Door hat fast drei Jahre gebraucht, weil es sich stark von den anderen unterscheidet. Insgesamt dauert alles heute etwas länger – ich bin kürzlich 60 geworden, und es scheint, als würde einfach nichts mehr so schnell gehen wie früher.

Muss man die Bücher der Reihe in der richtigen Reihenfolge lesen?

Nein, aber es ist besser so. Jedes Buch ist in sich abgeschlossen und man kann jederzeit in die Serie einsteigen. Wenn Sie Serien mögen, empfehle ich jedoch, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen – wenn Sie die Zeit haben. Alle meine Bücher sind wieder verfügbar und als Kindle-Version in Sekunden herunterladbar. Die Figuren altern und entwickeln sich über die Zeit. Die Reihenfolge lautet: Special Circumstances, Incriminating Evidence, Criminal Intent, Final Verdict, The Confession, Judgment Day, Perfect Alibi, Felony Murder Rule, Serve and Protect und zuletzt: Hot Shot.

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Ich verbringe gerne Zeit mit Linda und unseren Zwillingssöhnen Alan und Stephen. Ich fahre fast jeden Tag auf dem Heimtrainer. Ich gehe gerne zu Baseballspielen, reise, lese Krimis und vieles mehr, schaue fern und gehe ins Kino. Unsere Zwillinge sind inzwischen mit dem Studium fertig, daher besuche ich keine Schulspiele in Baseball, Basketball, Schwimmen oder Wasserball mehr. Ich feuere immer noch die Sportteams aus Chicago an, obwohl ich inzwischen länger in der Bay Area lebe als in Chicago (ich muss aber zugeben, dass ich inzwischen auch Fan der Golden State Warriors bin). Ich verbringe wahrscheinlich zu viel Zeit im Internet. Ich bin ein Popkultur- und Politik-Junkie und schaue zu viel fern.

Wenn Sie kein Anwalt oder Autor wären – was würden Sie gerne machen?

Als Kind wollte ich Centerfielder bei den White Sox werden. Als das nicht klappte, wollte ich Schriftsteller und Anwalt sein. Ich habe großes Glück: Ich darf das tun, was ich liebe, kann leben, wo ich möchte, und Zeit mit den Menschen verbringen, die ich mag. Ich habe ein wirklich gutes Leben.

Was lesen Sie gerne? Welche Autoren bewundern Sie?

Ich lese gerne Justizromane, Krimis und Thriller. Zu meinen Lieblingsautoren im juristischen Bereich zählen Robert Dugoni, Scott Pratt, John Lescroart und Michael Nava. Weitere Lieblingsautoren, die keine Juristen sind, sind John Sandford, David Corbett, Michael Connelly, Priscilla Royal, Cornelia Read und Terry Shames.

Was gefällt Ihnen am meisten am Schriftstellerdasein?

Alles. Ich liebe den Schreibprozess. Ich könnte das nicht dauerhaft machen, wenn ich es nicht lieben würde. Ich mag es, Geschichten zu entwerfen. Ich liebe das Überarbeiten (es lässt mich fühlen wie ein verrückter Wissenschaftler). Ich schreibe gerne mit Mikes Stimme. Ich schreibe gerne über David Gold. Ich liebe es, Schauplätze in San Francisco und Chicago zu erkunden. Ich darf witzige Dialoge schreiben (was ich im Büro nicht darf – man gerät in Schwierigkeiten, wenn man einen Witz in ein juristisches Dokument einfügt). Lesereisen machen Spaß. Fanpost ist großartig (die meisten Anwälte bekommen keine Fanpost – wir sind froh, wenn unsere Mandanten unsere Rechnungen bezahlen). Und es ist toll, andere Autor:innen kennenzulernen.

Was mögen Sie am wenigsten am Schreiben?

Es wird manchmal etwas einsam. Ich verbringe täglich rund sieben Stunden am Computer in meiner eigenen kleinen Welt mit meinen imaginären Freunden. Erste Entwürfe sind wirklich hart. Zum Glück leistet mir unsere 15-jährige Katze Betty Gesellschaft, indem sie den ganzen Tag auf meinem Schreibtisch neben dem Computer schläft.

Hat der Erfolg Ihrer Bücher Ihr Leben verändert?

Nicht wirklich. Es war schön, ein langjähriges Ziel zu erreichen. Andererseits stehe ich immer noch jeden Tag auf und gehe zur Arbeit (auch wenn meine Arbeit heute oft darin besteht, Bücher zu schreiben und zu bewerben). Wir leben noch im selben Haus, fahren die gleichen Autos und treffen uns mit den gleichen Leuten. Ich finde nicht, dass sich die Persönlichkeit dadurch ändern sollte, dass der eigene Name auf dem Buchcover steht. Und Linda und die Jungs sorgen schon dafür, dass ich auf dem Boden bleibe. Linda hat 22 Jahre lang bei Industrial Light and Magic gearbeitet, und ihr Name steht in den Credits einiger der umsatzstärksten Filme aller Zeiten. Die Jungs finden es ganz nett, dass ich Bücher schreibe, aber sie sind der Meinung, dass Mama den cooleren Job in der Familie hatte.

Sind Sie noch als Anwalt tätig?

Ja, allerdings arbeite ich inzwischen in Teilzeit. Meine Kolleg:innen bei Sheppard, Mullin, Richter & Hampton zeigen viel Verständnis, und auch meine Mandant:innen unterstützen mich sehr. Viele von ihnen bemühen sich sogar, ihre rechtlichen Probleme so zu planen, dass sie nicht mit meinen Abgabefristen kollidieren.

Wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?

Schreiben Sie mir einfach eine E-Mail an sheldon@sheldonsiegel.com. Ich beantworte meine gesamte Post persönlich – bitte haben Sie etwas Geduld, falls es ein paar Tage dauert.

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